Das Unternehmen verlassen … Vom Umgang mit Trauer, Frustration und Wut

 

Als Karriereberater kenne ich diese Situationen nur zu gut, und Du sicherlich ebenfalls:

  • Eine junge Produktmanagerin hat eine neue Stelle angenommen und verlässt ihren Verlag. Sie trägt sehr schwer daran, dies ihrer Teamleiterin mitzuteilen: „Wenn ich gehe, wird es echt schwierig, ich kenne mich einfach zu gut aus in meinem Fachgebiet – Meine Chefin verlässt sich 100%ig auf mich“.
  • Ein Marketingleiter fällt nach einem klassischen Burnout (in diesem Falle Depressionen und Angstzuständen) monatelang aus. Er kommt zurück und das Management bietet ihm einen Aufhebungsvertrag an.
  • In der Firma gibt es einen Wechsel im Management. Und plötzlich ist der Mitarbeiter nicht mehr erwünscht: Er ist zu teuer. Neuer Wind muss her. Er wird unsanft durch seinen Vorgesetzten in Richtung Schlechtleister gedrängt. Und als „Bedenkenträger“ bezeichnet.

Was ist all diesen Situationen gemeinsam? Sicherlich die lange Zeit, in denen diese Menschen für das Unternehmen gearbeitet hast. Du kennst das sicherlich: Es geht um das Herzblut für Deine Aufgabe, die tollen Kollegen. Deine Loyalität, Identifikation.

Die Firma, die Abteilung – fast wie Familie.

Ich erlebe es sehr oft, dass Menschen, wenn sie die Firma aus eigener Initiative oder unfreiwillig verlassen, sehr schwer daran tragen. Sie erleben dies oft wie die „Vertreibung aus dem Paradies“ und machen häufig verschiedene Phasen durch – vom Schuldbewusstsein, der Trauer, Frustration bis hin zur blanken Wut.

Betrifft es Dich: Wie kannst Du mit einer solchen Situation umgehen, um auf Deinem Weg weiter zu gehen? Frieden zu schließen?

Ich finde es sehr wichtig, Dir in gemeinsamen Gesprächen zu verdeutlichen: Das Unternehmen ist nie Familie.  Und kann nie die ganz anders gearteten emotionalen Beziehungen zu Familie, Partner und Freunden ersetzen.

Zu glauben, dass Dein Unternehmen Familie ist, ist ein echter, aber menschlich sehr verständlicher Trugschluss.

Verdeutliche Dir: Du hast mit Deinem Arbeitgeber einen Arbeitsvertrag geschlossen. Einfach reduziert: Du bietest eine Arbeitsleistung an, dafür erhältst Du eine Vergütung.

Damit ist ein Arbeitsverhältnis „nur“ ein vertragliches „Austausch“-Verhältnis zwischen Dir und Deinem Unternehmen. Nicht mehr und nicht weniger.

Sich dies immer wieder zu vergegenwärtigen, kann sehr hilfreich sein. So sehr Du Dich für Deinen Job engagierst, verausgabst und identifizierst – Du bist und bleibst austauschbar. Dein Verhältnis zum Arbeitgeber basiert am Ende des Tages auf der simplen Formel „Geld gegen Arbeit“. Es hat nichts mit den gegenseitigen intensiven emotionalen Beziehungen innerhalb von Familie, Partnerschaft oder Freunden zu tun. Und kann sie auch nicht ersetzen.

Und deshalb finde ich: Loyalität gegenüber der Firma ist sehr wichtig und gut. Sie ist aber immer auf Zeit und darf beendet werden.

Mein Rat: Arbeite dies auf, in Gesprächen und vielleicht auch mit Hilfe von außen.