Arbeitszeugnis mit Fallen und Stricken – Was gibt es für Dich zu beachten?

 

Das Arbeitszeugnis – Eine echt harte Nuss zum Knacken!

Kürzlich hat mir eine Klientin im Rahmen einer Karriereberatung erzählt, sie habe bei IBM in Bratislava für mehr als 5 Jahre gearbeitet. Arbeitszeugnis – nein das war nicht üblich. Ihr Chef, der lange Zeit in Deutschland gearbeitet hatte, hat ihr aber trotzdem eins ausgestellt. Gut so.

Hinter Arbeitszeugnissen herzulaufen, ist für viele anstrengend, unangenehm und ziemlich uncool.

Aber Achtung! Im Unterschied zu vielen anderen Ländern sind hier in Deutschland Arbeitszeugnisse absolut wichtig für den Bewerbungsprozess – um Euren beruflichen Werdegang lückenlos zu dokumentieren.

Im Abschluss- oder auch Zwischenzeugnis solltet Ihr zunächst die zutreffenden und vollständigen Angaben zur Position, den Aufgaben und Tätigkeiten prüfen. Mit einem besonderen Augenmerk auf der Leistungsbeurteilung. Diese umfassen:

  • die Einzelbewertungen Deiner Fähigkeiten und Kenntnisse:
    Fachwissen – Auffassungsgabe und Problemlösungsfähigkeit – Leistungsbereitschaft und Eigeninitiative – Belastbarkeit – Denk- und Urteilsvermögen – Zuverlässigkeit – Fachkönnen – Fortbildungen – eventuell Führung und Projektleitung – und sonstige ganz besondere Fähigkeiten
  • die Gesamtbewertungen Deiner Leistungen und des internen/externen Verhaltens
  • die Abschlussformulierungen (Dankes-/Bedauern-Formel sowie Zukunftswünsche)

Wenn Du ein Arbeitszeugnis ausgestellt bekommst, orientiert es sich an der Rechtsprechung. Diese besagt, dass es wahrheitsgemäß und wohlwollend ausgestellt sein muss. Der Schwerpunkt liegt auf „wohlwollend“ ausgestellt – gut für Dich in Deiner jeweiligen Position als Sachbearbeiter, Fachexperte oder Führungskraft!

Im Zeugnis gibt es eine eigene Sprache mit entsprechenden Formulierungen, die den Schulnoten sehr gut bis ungenügend entsprechen. Meistens hören sich die Bewertungen – umgangssprachlich betrachtet – ganz gut an. Was vielleicht daran liegt, dass die Sprache nicht modern und klar, sondern eher altbacken rüberkommt – mit Anhäufung von „stets“, „solide“ und „fundiert“. Und wer weiß denn dann genau, was da so dahintersteckt?

„Sie überblickt schwierige Aufgaben und findet zutreffende Lösungen“. Hört sich doch ganz prima an, oder? Ist es aber nicht. Laut Zeugniscode entspricht diese Formulierung zur Auffassungsgabe „nur“ der Schulnote „Befriedigend“.

Ein „Befriedigend“ im Zeugnis ist eher schlecht. Denn: Auch mittelmäßige oder schlechte Arbeitnehmer erstreiten sich im Berufsalltag regelmäßig sehr gute bis gute Formulierungen in Ihren Zeugnissen – häufig mit Rechtsbeistand. Jeder, der mit Zeugnisbewertungen, die der Schulnote „Befriedigend“ oder „Ausreichend“ entsprechen, nach Hause geht, steht unter Erklärungsdruck wegen der Vermutung auf schlechte Leistungen.

Hier einige wichtige Ratschläge für Dich:

  • Prüfe alle Angaben zu Deiner Position und Deinen Tätigkeiten sehr sorgfältig auf Vollständigkeit und Genauigkeit.
  • Vertraue im Bewertungsteil nicht auf Deine eigenen Einschätzungen. Kaufe Dir einen Ratgeber mit Zeugnisformulierungen oder googele, z.B. bei www.karrierebibel.de.
  • Bei kleineren Unternehmen ist es nicht selten, dass Du Dein Zeugnis sogar selber schreiben kannst. Auch hier bitte sehr, sehr sorgfältig vorgehen.
  • Lass Dein Zeugnis von einem externen, unabhängigen Profi (Anwalt, Steuer- oder Karriereberater, HR-Spezialisten) sorgfältig gegenchecken.
  • Und gut zu wissen: Im Zweifel hast Du einen Zeugniskorrekturanspruch von einem Jahr nach Zeugnisausstellung.