Führungskräfte – Besser sein als ihr Ruf

Führungskräfte – Besser sein als ihr Ruf

„Ja gut, bei uns in der Firma, die ist ja klein, hat niemand Führung gelernt. Man macht das einfach mal“ – „Führung, da spürt man bei unserer Chefin gar nichts“ – „Gut, ich will Karriere machen, da gehört Führung einfach dazu, ob ich will oder nicht“ – „Ich übernehme bald das Team, da hab‘ ich jetzt schon schlaflose Nächte“.

Am Wochenende hatte ich wieder eines jener Gespräche, die ich nur zu gut kenne. Jeder um mich herum weiß oder ahnt, was ich als Karriereberater mache und darum landen wir immer wieder beim Thema Führung.

Was ist das Geheimrezept für gute Führung? Warum kommen einige Chefs sehr gut bei ihren Mitarbeitern an. Und andere wenig gut bzw. überhaupt nicht an? Obwohl sie BWL studiert haben, Assessment-Center erfolgreich durchlaufen haben, haufenweise Leadership-Fachliteratur gelesen oder an Führungskräfteschulungen teilgenommen haben.

Klavierspieler – als Führungskraft solltest Du in meinen Augen genau das sein: Eine breite Klaviatur spielen, auf die Melodie achten – sie immer wieder anpassen, mal schneller, mal langsamer. Viel Üben und mit Fingerfertigkeit die Klaviertasten spielen, mal leicht, mal etwas stärker. Selbst wenn das Klavier etwas missgestimmt ist, kannst Du eine Musik erschaffen.

Dieses Bild soll verdeutlichen, wie wichtig es ist, neben der Fachlichkeit ein Ohr für die Stimmung im Team zu haben. Eine Beziehung zu Deinen Mitarbeitern aufzubauen und sie in ihrer beruflichen Rolle aktiv zu fördern und zu fordern. Und durch eigene Authentizität Engagement überzeugen und damit Motivation zu erzeugen.

Und hier spielen Deine persönlichen Werte im Führungsalltag eine herausragende Rolle! Für mich funktioniert Führung im Alltag tatsächlich nur dann optimal, wenn Du Deine Mitarbeiter tatsächlich magst, wenn Du sie gerne führst – eben weil Du die Führung als sehr wichtige Gestaltungsaufgabe wahrnimmst, auch in schwierigen Zeiten, wenn Konflikte im Team den Ton angeben. Menschlich sein, sichtbar sein, häufig kommunizieren und bewusst eine Vorbildfunktion einnehmen – das schafft Vertrauen und bringt die Mitarbeiter auf Deine Seite.

Nur so kannst Du, ganz im Sinne einer auf Zweiheit ausgerichteten (dyadischen) Führung eine echte Zweierbeziehung zu jedem Deiner Mitarbeiter aufbauen und Deine Führung individuell ausrichten: Der eine braucht stärkere Führung, die andere übernimmt liebend gerne Aufgaben, die sie herausfordert. Eine echte Chance, um Deine Mitarbeiter – die Tasten Deines Führungsklaviers – richtig anzuspielen.

Selbstreflektion hilft: Was ist Dir als Führungskraft wichtig? Welche Erwartungen hast Du an Dich selbst? Welche die Mitarbeiter und welche mein Vorgesetzter an Dich?