Frauen – Elternzeit – und dann…?

Elternzeit – und dann…?

Vor kurzem coachte ich eine Brand-Managerin, die nach kurzer Elternzeit einen Wiedereinstieg im Job suchte. Und zwar im alten. Und das mit 4 Kindern (!) – das jüngste 4 Jahre alt. Alles eng abgestimmt und abgesprochen mit ihrem Partner. Keine helfenden Eltern oder Schwiegereltern als Back-up.

Was mich beeindruckte: Viele Kinder – Familienmanagement auf 2 partnerschaftlichen Schultern, nicht nur auf der der Frau.

Kurz danach im Coaching: Eine Textilingenieurin, vor der Elternzeit tätig im Bereich der Qualitätssicherung in der Automobilindustrie. Tolles Profil. 2 Jahre nach der Geburt ihres Sohnes auf der Suche nach einem beruflichen Wiedereinstieg.. Jetzt nur zu 25 Stunden in der Woche.

„Hmm“ frage ich, „und Ihr Mann, kann der Sie nicht unterstützen, damit Sie mehr arbeiten?“ „Nein, das müssen Sie verstehen, er ist stark in seinem Job eingespannt, hat ne Menge Verantwortung, viele wichtige Termine, muss auch viel reisen…“

Das höre ich oft, fast immer! Und frustriert mich. Der Subtext lautet nämlich: „Die Arbeit meines Mannes ist wichtig – wichtiger als meine!“

Und – konsequent zu Ende gedacht:
„Meine Gene als Frau bestimmen mich dazu, zu Hause zu bleiben und mich zu mindestens 50% den Kindern zu widmen. Ich will ja auch keine Rabenmutter sein. Darum ordne ich mich unter. Selbstverständlich gerne. Und nehme dafür willentlich und wissentlich beruflich nachteilige Konsequenzen in Kauf, die ich für die Zukunft gar nicht abschätzen kann, z.B. im Falle einer Trennung.“

Zurück zu meinem letzten Beispiel:
Die Textilingenieurin war nun auf der Suche nach einer für sie geringwertigeren Teilzeit-Stelle als Assistentin, u.a. beim Landtag Stuttgart. Aufgaben: Vorbereitung von Meetings, Organisation von Veranstaltungen, Reisen etc.
Fast hätte ich gesagt: „Echt jetzt? Dann war‘s das eben. Spätere Rückkehr in den alten Job fast ausgeschlossen. Wozu denn dann das Studium und alles andere?“

Was ich mir wünsche? Dass Frauen – schon bevor sie in die Familienplanung gehen – ihre Männer in die partnerschaftliche Verantwortung nehmen, um ihre Karrierechancen gleichberechtigt weiter zu verfolgen und wahrzunehmen. Das wäre fair – ungeachtet Kita, Kindi, Schule, miesen Öffnungszeiten und Betreuungskosten.

Gelebte Frauenemanzipation – dann müssen Männer umdenken. Veränderungen fangen im Kleinen an, nämlich im eigenen persönlichen Umfeld.

Dass dies funktionieren kann, zeigt sich konkret in meinem persönlichen Umfeld in mindestens 3 Fällen. Das beweist auch das Beispiel der Brand-Managerin.

Zusammen mit der Textilingenieurin habe ich einen Ansatz entwickelt, der an ihrem vorherigen Job anknüpft. Sie könnte sich wieder einen Job in der Qualitätssicherung suchen, zu 25 Stunden im Unternehmen arbeiten und zusätzlich den Rest flexibel im Home-Office – Unterstützung des Partners vorausgesetzt. Ist ein Ansatz, oder?