People Pleaser und die Kunst des Nein-Sagens

Was bedeutet der Begriff „People Pleaser“, für den es keine 1:1 Übersetzung ins Deutsche gibt? Es ist jemand, der andere freundlich stimmt und alles dafür unternimmt, als beliebter und sympathischer Mensch wahrgenommen zu werden – und seine eigenen Bedürfnisse hintenan stellt.

Das geht vielen von uns so. Wir möchten gemocht werden, tun viel dafür – manchmal zu viel – und ziehen daraus für sich wertvolle Bestätigung.

Im Joballtag (und nicht nur hier) kannst Du damit bei Deinen Kollegen, Mitarbeitern, Vorgesetzten oder Kunden viele Probleme verursachen und wichtigen Respekt verspielen. Indem Du als jemand wahrgenommen wirst,

  • der leicht auszunutzen ist („Petra, kannst Du mal das eben für mich machen…suuuper!)
  • der schon fast vorausschauend und händeringend nach Aufgaben sucht, um andere zu unterstützen („Du Sebastian, ich helfe Dir gerne, dann kannst Du früher nach Hause gehen und mit Deiner Freundin Game of Thrones schauen…“)
  • der einfach nicht ernst zu nehmen ist („Der André macht eh alles…, frag ihn ruhig“)
  • der keine Haltung zeigt („Die Moni widerspricht eh nie, ist halt ein Weichei“)

Konsequenz: Häufig erledigst Du Aufgaben für andere und Deine eigene Arbeit bleibt liegen („Wieso hast Du eigentlich nicht auf die Kundenanfrage xy sofort reagiert?“).

Wenn Du Dein Zeitmanagement und damit Dein Bild nach außen deutlich verbessern möchtest: Sag nicht zu allem Ja und Amen – bestimme selber, was Du tust:

  • Unterscheide: Wirst Du direkt aufgefordert (z.B. von meinem Chef) oder einfach nur gebeten (z.B. von einer Kollegin)
  • Prüfe Deine Prioritäten: Was habe ich selber noch dringend zu erledigen? Was ist dringend, was ist wichtig? Was eventuell beides?
  • Scanne Dein Umfeld: Wer tut mir auch einen Gefallen, wenn ich ihn brauche? Denn es sollte am Arbeitsplatz immer um „Geben und Nehmen“ gehen. Vergiss die Vampire, die bloß Dein Blut aussaugen wollen
  • Wenn Du jemanden einen Gefallen tun willst, prüfe ob es sofort sein muss oder eventuell später
  • Prüfe auch, ob es 100% sein müssen oder schon 30% reichen

Dazu gehört auch Nein-Sagen. Und dies geht auch sanft und freundlich!

  • Bedenkzeit erbeten („Da fühl ich mich gerade überrumpelt, ich muss mal kurz drüber nachdenken…“) – Du kannst in dieser Zeit genau Deine (Arbeits-)situation analysieren
  • Das Nein begründen („Sorry, geht gerade nicht, habe ja die Eilanfrage von Mayer auf dem Tisch liegen…“)
  • Verständnis zeigen („Ich kann absolut verstehen, dass Du dabei Unterstützung brauchst…“)
  • Und ggfs. eine Alternative aufzeigen („… wende Dich doch mal an Herrn Bix, der ist doch Spezialist für…“)
  • Bedanken („Finde ich prima, dass Du dabei an mich gedacht hast!“)
  • Ein Teil-Nein aussprechen („Wenn das bis nächste Woche Zeit hat, stehe ich Dir gerne zur Verfügung“)